30. März 2013: Die Rückertschule Plauen wird 100 !

Der 30. März 1913 ist in der Geschichte des Plauener Stadtteils Haselbrunn ein wichtiges Datum. An diesem Tag vor 100 Jahren wurde auf dem Areal zwischen Rückert-, Gunold- und Langer Straße die 14. Bürgerschule feierlich geweiht. Sie verbesserte spürbar die Schulverhältnisse in dem Wohngebiet nördlich des Oberen Bahnhofs, wenn auch zunächst nur ein Teil des neuen Bildungsstätte für den Unterricht freigegeben wurde. Erst im Juni 1913 begannen die Arbeiten am zweiten Teil, der am 15. August 1914 – zwei Wochen nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges – fertiggestellt wurde. Die ehemals selbstständige Gemeinde Haselbrunn hatte sich im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts gewissermaßen im Sog der Stadt Plauen rasant entwickelt. Die ursprünglich dörfliche Struktur wich einer großstädtischen Bebauung, und die Einwohnerzahl erhöhte sich auf mehr als das Zehnfache. 1871 zählte das Dorf Haselbrunn 342 Einwohner, 1899 wohnten rund 3700 Bürger in der Vorstadt, die bereits so eng mit Plauen verbunden war, dass sie am 1. Januar 1899 in die Vogtlandmetropole eingemeindet wurde. Damit übernahm die Stadt Plauen auch alle Pflichten der schulischen Betreuung der Haselbrunner Kinder und Jugendlichen, deren Zahl analog zur Gesamtbevölkerung gewachsen war. Die 1893 von der Gemeinde Haselbrunn erbaute Schule an der Seumestraße hatte ihre Kapazitätsgrenze längst erreicht. Anbauten in den Jahren 1897/98 und 1903/04 brachten nur kurzzeitige Entlastungen, so dass immer mehr Klassen in anderen Schulen der Stadt oder in unzureichenden Ausweichquartieren untergebracht werden mussten. Die Stadtväter erkannten die Notwendigkeit einer weiteren Schule für Haselbrunn, so dass sie seit 1905 immer wieder Thema in den Beratungen der städtischen Schulkommission war. Doch andere Wohngebiete des sich zur Großstadt mausernden Plauen bedurften ihre Schule noch dringender. Fünf andere große Volksschulen wurden errichtet (die spätere Kemmler-, Dittes-, Herbart-, Mosen- und Diesterwegschule), bevor die berechtigten Forderungen der Haselbrunner Bürger realisiert werden konnten. Inzwischen war die Einwohnerzahl des Stadtteils von rund 9000 (1905) auf mehr als 11 500 (1911) mit weiter steigender Tendenz gewachsen, so dass dringender Handlungsbedarf bestand. Im Juni 1911 beschlossen die Stadtverordneten, die neue Schule auf dem Platz an der 7. Bürgerschule (spätere Seumeschule) zu errichten. Da einerseits ein schneller Baubeginn im Interesse der immer größeren Schülerzahl nötig war, andererseits aber die vorhandenen Gelder für das ganze Schulhaus nicht ausreichten, wurde von vornherein in zwei Bauphasen geplant. So bewilligte das Stadtparlament im Frühjahr 1912 zunächst nur 192 000 Mark für die erste Phase, deren Bauarbeiten im Mitte Mai 1912 begannen. Erst im Januar 1913 gaben die Stadtverordneten die weitaus größere Restsumme von gut 400 000 Mark für die endgültige Fertigstellung der Schule frei, die im Juni 1913 anlief. Auch bei der Turnhalle war man auf Sparsamkeit bedacht, indem anstelle des Baus eines neuen Gebäudes im Herbst 1913 die Turnhalle der 7. Bürgerschule aufgestockt wurde. Wenn auch am 30. März 1913 zunächst nur ein Torso geweiht werden konnte, zu dessen endgültiger Fertigstellung noch viel Kraft und Geld vonnöten war, so würdigte Plauens Oberbürgermeister Dr. Julius Dähne in seiner Eröffnungsansprache die Leistungen von Stadtbaurat Wilhelm Goette, Stadtbauinspektor Arno Dolzig und Architekt Hoffmann, die für die bauliche Gestaltung und Ausführung verantwortlich zeichneten. Danach pries Bezirksschulinspektor Dr. Friedrich Wilhelm Putzger die moderne Ausstattung der Schule und wies Direktor Richard Warg und s ein Lehrerkollegium in ihre verantwortungsvollen Ämter ein. Mit dem neuen Schuljahr 1913/14 nahm die 14. Bürgerschule als einfache Volksschule ihre Arbeit auf, ab August 1914 dann als voll ausgebaute Bildungsstätte. 1919 erhielt sie den Status einer allgemeinen Volksschule, und im Sommer 1920 wie alle Volksschulen der Stadt einen Namen. Da eine angrenzende Straße bereits nach dem damals viel gelesenen Schriftsteller und Orientalisten Friedrich Rückert (1788 – 1866) benannt war, wurde dessen Name auch der Schule verliehen. Beim verheerenden Bombenangriff auf Plauen am 10. April 1945 wurde die Rückertschule stark beschädigt, so dass sie erst Anfang der fünfziger Jahre wieder eröffnet werden konnte. Von 1954 bis 1959 beherbergte sie die zweite Erweiterte Oberschule der Stadt, danach fungierte sie bis 1990 als zehnklassige Polytechnische Oberschule. Seit der Wende ist das Gebäude Heimstätte zweier Schulen, eine Grund- und eine Mittelschule, die beide den Namen „Friedrich Rückert“ tragen.

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