„Männer wie Krause sind dünn gesät!“

Mit den oben stehenden Worten würdigte einst Plauens Oberbürgermeister Dr. Rudolf Dittrich Friedrich Krause, und er wird sich ihrer sicher erinnert haben, als er am 1. Juni 1897 die schmerzliche Nachricht vom Tod des verdienstvollen Volksschuldirektors erhielt. Wie das Stadtoberhaupt versetzte der plötzliche Tod Krauses die Plauener Lehrerschaft und viele Bürger der Stadt in tiefe Trauer, verloren sie doch einen Pädagogen, der nicht nur voll in seinem Beruf aufging, sondern sich auch in vielfältigen Funktionen für das Wohl der Stadt einsetzte und dafür hohe Achtung genoss. All das war ihm keineswegs in die Wiege gelegt worden, sondern war Ergebnis zielstrebigen Lernens im Sinne seiner beruflichen Ziele und der zahlreichen Ehrenämter zum Nutzen seiner Mitbürger. Friedrich Krause wurde am 29. Juni 1831 im damals selbstständigen Unterneundorf bei Plauen als Kind einfacher Leute geboren. Der Vater war Jäger im Rittergut des Dorfes, die Mutter – wie damals üblich ohne Beruf – trug mit landwirtschaftlichen Arbeiten im Rittergut nach besten Kräften dazu bei, die bescheidene Lebensweise der Familie zu sichern. Das harte Ringen der Eltern um das tägliche Brot, zugleich aber auch ihre tiefe Liebe zu ihrem Sohn prägten den kleinen Friedrich schon frühzeitig für das Leben, woran er sich später immer wieder dankbar erinnerte. Weitere entscheidende Impulse für seinen Werdegang erhielt Krause in der Straßberger Dorfschule in den Jahren 1837 bis 1845 von seinem Lehrer Friedrich Gottlieb Valtin, der ihm später als Kollege ein väterlicher Freund war. Die entscheidende Ausbildung zum Volksschullehrer erhielt er am Lehrerseminar in Plauen, das er 1850 als einer der besten Absolventen des Jahrganges verließ. An dieser Bildungsstätte lernte er auch Friedrich Dittes kennen, der aus ähnlich schwierigen sozialen Verhältnissen wie er seinen Weg ins Leben fand und sich zu einem der bedeutendsten Pädagogen Deutschlands entwickelte. Beide „Friedriche“ wurden Freunde fürs Leben, erst Dittes' Tod (1896) zerriss dieses Band. Nach einer kurzen Tätigkeit als Vertretungslehrer in Reichenbach wurde Krause Ostern 1852 Hilfslehrer an der allgemeinen Bürgerschule in Plauen, drei Jahre später erhielt er hier eine ständige Anstellung. An dieser Schule in der Syrastraße, die damals von Adolph Gustav Caspari geleitet wurde, konnte sich Krauses pädagogisches Talent voll entfalten, wobei ihm seine Kollegen Dittes, Rascher, Silling und vor allem Höckner hilfreich zur Seite standen. Als in den 1860er Jahren die allgemeine Bürgerschule in drei selbstständige Schulen getrennt wurde, blieb Krause zunächst Lehrer an der höheren Bürgerschule, bevor er 1875 zum Direktor der 2. Plauener Bezirksschule – so die damalige Bezeichnung der einfachen Volksschule – berufen wurde. Diese war zunächst noch im Schulhaus am Anger untergebracht, bezog aber im Oktober 1876 den eigenen Neubau an der Trockental-/Ecke Straßberger Straße. 21 Jahre lang, bis zu seinem Tod 1897, leitete Friedrich Krause diese Schule, wobei er sich hohe Anerkennung erwarb. Getreu seinem Grundsatz „Im Wesentlichen Einheit, im Zweifelhaften Freiheit, in allem aber Liebe“ verstand er es, innerhalb kurzer Zeit ein leistungsstarkes Lehrerkollegium zu formen. Er bemühte sich, die Individualität, die Stärken und Schwächen der ihm zugewiesenen Kollegen zu ergründen und sie dementsprechend einzusetzen. Einer seiner Lehrer schrieb später darüber: „Der gute Geist des Direktors beseelte den ganzen Lehrkörper und durchwehte die ganze Schule.“ Krauses erfolgreiches Wirken beschränkte sich aber nicht nur auf seine Schule, sondern kam der gesamten Stadt zu gute. So arbeitete er seit den 1860er Jahren sehr aktiv in der Plauener gewerblichen Sonntagsschule, und ab 1876 sorgte er für den Aufbau der allgemeinen Fortbildungsschulen für Knaben (beides Vorläufer unserer heutigen Berufsschulen). Schließlich trug er 1877 maßgeblich zur Gründung der Plauener Fachzeichenschule bei, aus der 1891 die Königliche Industrieschule hervorging. Im Auftrage der Stadt unternahm Krause mehrere Informationsreisen in verschiedene Orte Deutschlands, um sich pädagogische Neuerungen anzusehen und eventuell in Plauen einzuführen. Darüber hinaus war Friedrich Krause viele Jahre Stadtverordneter, Mitglied des Schulausschusses der Stadt, Vorsitzender des Pädagogischen Vereins und Mitglied des Kirchenvorstandes. Alle Funktionen erfüllte er mit größter Gewissenhaftigkeit, wobei ihm wirksame Hilfe für die sozial Schwachen der Stadt besonders am Herzen lag. Die Fülle der Aufgaben überstieg Krauses körperliche Leistungsfähigkeit, doch wiederholten ärztlichen Rat zur Schonung schlug er in den Wind. Im März 1897 erlitt er einen Schlaganfall, von dem er sich durch eine Kur in Bad Nauheim zu erholen hoffte. Doch statt der Heilung ereilte ihn in dem Kurort am 1. Juni 1897 – vor 120 Jahren – der Tod, der in ganz Plauen mit Bestürzung und tiefer Trauer aufgenommen wurde. Vor mehr als hundert Jahren setzte die Stadt Plauen Friedrich Krause würdige Denkmäler. So wurde das vom Verein „Jugendfürsorge“ 1911 in Reusa geschaffene Heim für gefährdete Kinder und Jugendliche nach ihm benannt, und als 1920 Plauens Volksschulen anstatt der Nummern Namen erhielten, wurde seine langjährige Wirkungsstätte in der Trockental- / Ecke Straßberger Straße zur „Krauseschule“ erkoren. Beide Einrichtungen gibt es heute nicht mehr. Seit wenigen Jahren erinnert nur noch ein kleiner Weg in der Neundorfer Siedlung an Friedrich Krause. Ob diese bescheidene Form der heutigen Ehrung Krauses Leistungen für die Stadt gerecht wird?

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